...all das, was er schon immer loswerden wollte.

Unsere Berufung braucht professionelle Grenzen

Unsere Berufung braucht professionelle Grenzen

Es ist ein Glück, seine Berufung zu erkennen. Immer wieder lerne ich Menschen kennen, die mit großem Engagement ihrer Leidenschaft folgen und sogar aus ihrer Berufung, einen Beruf machen. Nicht nur als Selbstständige oder Unternehmer, auch als Mitarbeiter oder Beamte.  

Nur, wie finden wir unsere Berufung? Dazu gibt es viele Bücher, die das Finden unterstützen können. Die Erfahrungen meiner Kunden und auch meine persönlichen zeigen mir, dass wir unserer Berufung nicht finden, sondern dass die Berufung uns findet. Manche findet sie früher, sowie einen jungen Friseur, der mittlerweile Weltmeister ist und einen großen Salon übernommen hat. Er erzählte mir einmal, dass er bereits mit 14 wusste, dass er nicht Friseur wird, sondern dass er einer ist. Manche aber auch erst später, nach vielem Ausprobieren, vielen Wegen in die falsche Richtung, nach vielen Wendungen oder auch Schicksalsschlägen im Leben. So wie bei mir, der ich erst nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung und deren Verarbeitung erkannte, dass das Gespräch mit Menschen meine Berufung ist. 

Wenn ich meiner Tochter für ihr Leben etwas wünsche, u.a. dass ihre Berufung sie früh findet und dass sie den Mut hat, daraus einen Beruf zu machen. Denn es ist ein Glück, nicht nur einen Beruf haben zu müssen, sondern haben zu dürfen. Und ich wünsche ihr, dass sie erkennt, dass die Berufung ein Teil ihres Lebens ist. Eben ein Teil. 

Denn die Berufung braucht auch Grenzen. Viele meiner Kunden brennen für ihren Beruf, für ihre Berufung. Sie brennen so stark, dass sie ausbrennen, weil sie vergessen, dass Feuer auch Sauerstoff braucht und sie selbst keine Luft mehr holen. Sie sind so begeistert von dem was sie tun, dass sie gar nicht mehr differenzieren zwischen Berufung und Beruf. Oder dass sie gegenüber anderen nicht mehr differenzieren, zwischen Dienstleistung und Freundschaft. 

Genau das habe ich in diesem Monat wieder einmal erlebt. Nach einem langen Gespräch mit einem Freund über sein Unternehmen, seine Situation, seine Stärken, seine Perspektiven und seine möglichen Schritte. Ein Gespräch, in dem ich konzentriert zuhörte, mitdachte, Zusammenhänge herstellt, Fragen stellte, stärkte, seine Ideen sortierte, motiviert. Eben ein typisches Gespräch mit Stefan Hagen. Ein Gespräch, für das ich keine Rechnung stellen, er aber bezahlen wollte. Für mich war es ein freundschaftliches, für ihn war es ein hilfreiches Gespräch. Für mich war es Berufung, für ihn war es Beruf. Eine Situation, die ich oft erlebe, weil auch ich viel zu selten Grenzen setze. Eine Situation, an der ich verbrennen kann, weil ich häufig mal eben mit jemanden spreche, ohne dies abzurechnen. Und das auch noch in Zeiten, in denen ich eigentlich Luft holen wollte. 

Was ich daraus gelernt habe? 

Wenn wir unsere Berufung zu unserem Beruf machen, sollten wir Grenzen ziehen. Wenn wir unsere Berufung zum Beruf machen, müssen wir die Balance zwischen brennen und verbrennen finden. Erst wenn wir konsequent dazu stehen, dass wir mit dem was wir gut und vor allem gerne machen, nicht nur emotionales, sondern auch ein monetäres Honorar bzw. Lohn oder Gehalt erhalten wollen, wird unsere Berufung zum Beruf und wir können davon leben. Unsere Berufung braucht professionelle Grenzen, sonst verbrennen wir.  

„Es gibt einen Platz, den du füllen musst, den niemand sonst füllen kann; und es gibt etwas für dich zu tun, dass niemand sonst tun kann.“ Plato

 

Entscheiden Sie...

Was hat die WM und „Die Mannschaft“ mit Ihrer Entscheidung zu tun?

Lassen Sie mich mit einer whatsapp-Nachricht von gestern Abend beginnen, in der den Spielern der deutschen Nationalmannschaft vordergründig viel Erfolg gewünscht wird, um dabei deren Herkunftsländer zu erwähnen, bzw. die Nationalitäten der Eltern. Und dann kommt der Hinweis auf die Weltmeistermannschaft von 1974, in der ja alle Spieler wirklich deutsch waren. Kennen Sie? Kennen Sie. Gibt es auch mit Bild auf Facebbok in Bezug auf die Weltmeister von 1990. Eine solche Nachricht schickte mir gestern ein Freund. Also ein wirklicher analoger Freund. Und er fand das wohl lustig. ICH NICHT! 

Was soll das? War das nur dumm oder tatsächlich Absicht? Egal, es war hässlich, verletzend und menschenverachtend. Es war schlecht und mir wurde davon schlecht. So fing und fängt es doch an. Mit Witzen über Menschen, die anders leben, denken, aussehen. Mit der Diffamierung von Menschen. Das ist nicht lustig. Das ist gefährlich! Und es nimmt zu. Zunächst unbemerkt. Mittlerweile sehr auffällig.

Was ich darauf geantwortet habe? 

„Das ist nicht lustig. Meine Frau ist gebürtige Slowenin. Mein Schwager ist gebürtiger Kroate, wie auch eine sehr gute Freundin unserer Familie. Unsere liebe Nachbarin ist Slowakin, ihr Lebensgefährte ist Franzose. In unserer Straße leben auch Spanier, Polen und Türken. Unsere standesamtliche Trauung haben wir bei unserem Italiener gefeiert, der mehr nur als unser Stammitaliener ist. Er ist ein Teil unseres Lebens, weil wir mit ihm aufgewachsen sind. Wir machen dieses Jahr Urlaub in den Niederlanden, in Kroatien, Österreich und natürlich bei meinen Schwiegereltern in Slowenien. Freunde und Kunden von mir haben verschiedene Nationalitäten, sind verheiratet, haben Kinder, sind schwul, lesbisch, moslemisch, christlich, Atheisten, Vegetarier, Veganer, Fleischfresser, Sportler, gehandicapt usw.. Das ist Vielfalt. Das ist Leben. Das ist Deutschland. Das ist Europa. Und wir lassen uns das nicht von dumpfbraunen Nazis, die diesen post in die Welt gesetzt haben und den jetzt viele wissentlich oder naiv teilen, kaputt machen. Pass auf und lass Dich nicht instrumentalisieren.“ 

Ja, nicht alles läuft rund in Deutschland und in Europa. Vieles muss überdacht werden, muss sich entwickeln und erneuern. Aber Vielfalt und Offenheit sind besser als Ausgrenzung, egoistischer Nationalismus, Hass und Gewalt. Egal von wem. Vielleicht bin ich naiv, weil ich Menschen, die verletzten und töten nicht nach Herkunft oder Religion verurteilen will, sondern nach geltendem Recht. Vielleicht bin ich blauäugig, weil ich keinen Unterschied daran erkenne, ob ein ausländisches oder ein deutsches Arschloch unsere Freiheit und unser Leben bedroht. Aber ich bin nicht bereit, mich von scheinbaren Patrioten, denen es ausschließlich um Macht und Gier geht, instrumentalisieren zu lassen. 

Sie kennen jetzt meine Haltung. Daher bitte ich Sie, sich zu entscheiden. Entscheiden Sie, ob Sie weiterhin mit mir zusammenarbeiten wollen, ob Sie mich weiterhin buchen oder mit mir analog wie digital befreundet sein wollen. Denn ich werde meine Haltung, auch in unserer der Zusammenarbeit, nicht leugnen. 

Mir ist egal, welche Nationalität, welche Hautfarbe, welche Religion, welche Lebens-, Glaubens- oder Ernährungsform Sie haben. Grundlage für mich ist, dass Sie ein Mensch sind, mit seinen Themen, Erfolgen und Misserfolgen, mit seinen Gedanken, Wünschen und Sorgen. Und das in allen Farben und Facetten die das Leben bietet. Darüber will ich mit Ihnen sprechen. Grundlage für unsere Zusammenarbeit ist, dass Sie ebenfalls die Würde des Menschen respektieren und Respekt vor dem Leben der Menschen haben. Als Unternehmer, Führungskraft, Kollege, als Mensch. 

Wer diesen Respekt nicht teilt, ist nicht mein Kunde, nicht mein Auftraggeber, nicht mein Freund. Entscheiden Sie, ob wir weiter zusammenarbeiten. Ich habe entschieden. Wer radikal, unmenschlich, krankhaft egoistisch und dumpfbraun nationalistisch denkt, fühlt und handelt, ist raus! Ich werde mich nicht instrumentalisieren lassen. Und Sie hoffentlich auch nicht. 

In dem Bewusstsein des schwierigen Austragungsortes, wünsche ich unserer Mannschaft und uns allen ein schönes WM-Turnier mit all seiner sportlichen Vielfalt. Möge die beste Mannschaft gewinnen. Und sollte es nicht Deutschland sein, dann hoffentlich Island. 

Stefan Hagen bloggt  ...all das, was er schon immer loswerden wollte.

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