...all das, was er schon immer loswerden wollte.

Eine maßvolle Urlaubszeit

Eine maßvolle Urlaubszeit

Es ist Sommer und damit Urlaubszeit. Auch für meine Familie und mich, in den nächsten Tagen.

„Als Selbstständiger wirst Du nie richtigen Urlaub machen können.“ Das war sicher einer der häufigsten Sätze, den ich bei meinem Schritt in die Selbstständigkeit aus meinem privaten Umfeld hörte. Und er war bestimmt nicht ermutigend gemeint. Aber er stimmt. Wenn auch nur bedingt.

Sicher machen Unternehmer - Selbstständige und Freiberufler schließe ich mit ein - einen anderen Urlaub als Angestellte. Komplett abschalten, sich um nichts in seinem Unternehmen kümmern und auf keinerlei Nachricht reagieren müssen, das geht nur selten oder gar nicht. Aber sind wir mal ehrlich, klappt das bei jedem Angestellten? Dennoch gibt es einen großen Unterschied.

Ich habe mich mit dem Schritt in die Selbstständigkeit bewusst dazu entschieden, eben keinen „normalen“ Urlaub mehr zu machen. Ich wusste, worauf ich mich einlassen. Es war und ist meine Entscheidung, wenn ich reagier und nicht die eines Kollegen oder eines Vorgesetzten. Daher empfinde ich es gar nicht als Belästigung, wenn ich mich auch im Urlaub mit meinem Unternehmen bzw. meinen Kunden beschäftigen. Allerdings in Maßen. Es ist die hohe Kunst, das richtige Maß zu finden. Denn in Maßen ist alles gesund. Sagte mir mal ein Arzt.

Und er hat recht. Denn der Versuch, sich komplett von seinem Unternehmen im Urlaub zu befreien, ist oft ein innerer und sehr viel Kraft kostender Kampf. Jedoch gar nicht abschalten zu können, kosten nicht nur die notwendige Erholung, sondern auch das das Gefühl, ein Teil einer Familie, einer Gemeinsamkeit zu sein. Wir sind da, aber nicht dabei. Beides habe ich erlebt. Beides war nicht gesund.

Somit folge ich in diesem Jahr der Erfahrung eines meiner Kunden. Dieser fand für sich das richtige Maß. Er liest während seines Urlaubs abends die Nachrichten und reagiert dann morgens. Dafür nimmt er sich jeden Tag insgesamt eine Stunde Zeit. Wenn die Stunde nicht reicht, haben die anderen Nachrichten eben Pech. Alte Nachrichten werden am nächsten Tag nicht nachgearbeitet. Natürlich muss er vorab darüber sein Unternehmen und seine Kunden informieren und organisieren.

Mal schauen, ob dies in diesem Jahr auch mein Maß sein wird. Ein Versuch ist es wert. Denn wenn wir auch mit Leidenschaft das machen, was wir machen, brauchen wir genau dafür die Erholung und die Gemeinsamkeit mit der Familie. Wir brauchen das richtige Maß.

Somit wünsche ich Ihnen und mir eine maßvolle Urlaubszeit.

P.S. Tatsächlich soll die Redewendung „das richtige Maß finden“, mit der Maß Bier im Zusammenhang stehen. Während der Fastenzeiten, brauchten die Mönche weiterhin die Kraft, um ihre Arbeit verrichten zu können. Diese Kraft erhielten Sie u.a. aus dem Bier, denn der sonst übliche Wein war ja verboten. Der Abt musste dabei für jeden Mönch das richtig Maß bestimmen, damit dieser weiterhin genug Kraft, aber nicht zu viel Alkohol hatte.

P.S.S. Urlaub verbinde ich zwar mit Genuss, aber auch das in Maßen. Also keine Sorge. Die Maß Bier wird eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Und noch etwas. Das Bild zeigt einen Ort in Slowenien, an dem ich auch dieses Jahr wieder einen Teil meines Urlaubs verbringen werde. Wunderschön.

Die Erinnerung ist wichtiger als das Geld

Die Erinnerung ist wichtiger als das Geld

Letzten Freitag war Zeugnistag. Meine Tochter kommt mit Ihrer Freundin nach Hause. Beide haben ein gutes Zeugnis. Da ergibt sich folgendes kurzes Gespräch:

Freundin: „Du hast doch auch ein gutes Zeugnis. Bekommst Du denn auch so viel Zeugnisgeld?“

Tochter: „Geld ist gar nicht wichtig. Viel wichtiger sind die Erinnerungen. Meine Mama hat mir einen Tag auf dem CHIO Reitturnier in Aachen geschenkt. Da fahren wir nächste Woche hin. An das Zeugnisgeld werde ich mich später bestimmt nicht mehr erinnern. Aber an den Tag in Aachen und die Pferde, werde ich mich bestimmt mein ganzes Leben lang erinnern.“

Was ich empfand, als ich das hörte? Erstaunen, Freude, Stolz.

Denn in dem Moment erinnerte ich mich an den Abend des 08.04.2015. Der Abend, an dem ich nicht wusste, ob ich am nächsten Tag nach meiner OP wieder aufwache und wenn ja, ob ich noch der bin, der ich vor der Hirn-OP war. An diesem Abend habe ich über vieles nachgedacht. Aber sicher nicht über das Geld, was ich bis dahin verdient habe. Meine Gedanken drehten sich um meine Familie, meine Freunde und auch um meine Kunden. Ich dachte über die Menschen nach, die mein Leben bis dahin begleitet hatten und die ich ein Stück begleiten durfte. Ich dachte vor allem über die schönen Momente und Ereignisse mit ihnen nach.

Vielleicht habe ich das so zu Hause erzählt und meine Tochter konnte sich in dem Moment dran erinnern. Vielleicht sollte ich mich selbst, sollten wir uns auch daran erinnern, dass Geld zwar eine große Bedeutung hat, aber wirklich wertvoll sind die schönen Momente oder Ereignisse, an die wir uns erinnern.

Gerade wir Unternehmer, die eine personalisierte Dienstleistung erbringen, sollten öfters darüber nachdenken, wofür unsere Kunden Geld ausgeben. Vielleicht zahlen Kunden gar nicht für eine Dienstleistung, nicht für Wissen oder für unsere Zeit. Aber bestimmt zahlen Sie für das, woran Sie sich erinnern. Wir sollten weniger Dienstleitungen erbringen, dafür mehr positive Erinnerungen bei unseren Kunden schaffen. Denn für gute Erinnerung, zahlen wir gerne. Schließlich ist die Erinnerung wichtiger als das Geld. Meint (nicht nur) meine Tochter.

Danke, dass Du mich daran erinnert hast.

P.S. Das Foto ist übrigens von Hans-Jürgen Keck flashlens.de. Ein Foto, das er mir am letzten Freitag zeigte und das mich irgendwie umarmte. Ein Foto, das mich an einen gemeinsamen Abend und wunderbare Momente erinnert. Auch dafür vielen Dank!

 

Ihr Gespräch mit Stefan Hagen – das Interview – Teil 3: Ihr Erfolg

Ihr Gespräch mit Stefan Hagen – das Interview – Teil 3: Ihr Erfolg

Gespräche mit meinen Kunden zu führen, ist ein immer wichtigerer Bestandteil meiner Leistungen – wenn nicht sogar der wichtigste! Was dies genau für meine Gesprächspartner bedeutet, wie es funktioniert und warum es funktioniert – das möchte ich Ihnen in dieser dreiteiligen Blogreihe erklären.

Und was liegt näher, als dieses Thema im Rahmen eines Gesprächs anzugehen? Deshalb habe ich mit dem PR-Journalisten Frank Beushausen ein Interview geführt, das Ihnen die Facetten des Gesprächs näher bringen soll. Im 1. Teil sprachen wir darüber, was der Kunde davon erwarten kann, mit mir ein Gespräch zu führen. Im 2. Teil widmeten wir uns der Frage, aus welchen Anlässen heraus meine Kunden mit mir sprechen. Den Abschluss der Interviewreihe bildet die Orientierung am Erfolg unserer Gespräche: Wie haben Kunden die Gespräche erlebt, und was haben sie daraus nachhaltig mitgenommen? 

Herr Hagen, wie oft müssen Sie mit Ihrem Kunden ein Gespräch führen, damit es „Früchte trägt“?

Auch wenn es nicht gerade die Regel ist, so gab es tatsächlich einen Unternehmer, der mir schrieb: „Nach nur einem Gespräch mit Ihnen habe ich mein Leben verändert!“ Hier hat tatsächlich bereits ein einziges Gespräch große Wirkung gezeigt. Dieser Herr hat nicht im Unternehmen vieles verändert, sondern auch gesundheitlich und in Bezug auf das Gesamtbefinden einen großen Schritt gemacht.

Es kann aber auch sein, dass ein signifikanter Fortschritt erst im Laufe von zwei bis drei Jahren eintritt – abhängig davon, wie tiefgreifend der Veränderungsdruck ist, wie motiviert die Person ist, notwendige Maßnahmen anzupacken und umzusetzen oder ob plötzlich andere Themen dringlicher sind und das vereinbarte Ziel zunächst in den Hintergrund rückt.

Andererseits geht es ja auch nicht immer um den großen Knalleffekt: Wie schon erwähnt brauchen viele Unternehmer einfach einen Außenstehenden mit genug Einfühlungsvermögen, um sich mit ihm auf Augenhöhe zu unterhalten. Hierfür sind die Menschen im eigenen Umfeld entweder zu nah dran oder zu weit weg. Die Möglichkeit, mich jederzeit anzusprechen, gibt meinen Kunden ein Stück Verbundenheit und Sicherheit zurück, weil sie eben nicht „einsam an der Spitze“ sind.

Sind Sie mit einem Kunden auch schon mal mit einer Unstimmigkeit auseinandergegangen?

Ja, ganz sicher. Aber das ist völlig normal, weil ich mich nicht verpflichtet fühle, jede unternehmerische Einstellung meines Gegenübers zu teilen oder damit einverstanden zu sein. Und ich habe gelernt, zu akzeptieren, dass verschiedene Auffassungen nebeneinander existieren können – und sollen. Das ist das Schöne am Gespräch: Hier können und dürfen beide ihre Meinungen äußern, während ich mich beim Coaching sehr zurücknehmen und neutral bleiben sollte.  

Und was motiviert Sie?

Was mich persönlich antreibt, ist zum einen die Neugier, ist das Interesse am Menschen und an seinem Handeln – etwas, was ich mir aus der Kindheit erhalten habe. Mit meinen Gesprächen möchte ich u.a. dazu beitragen, dass die Kunden sich in ihrem Handeln bestärkt fühlen und Dinge bewältigen, vor denen sie sonst möglicherweise kapituliert hätten.

Zum anderen ist es aber auch das Gespräch als solches. Gute Gespräche haben mich schon als Kind fasziniert. So habe ich den Gesprächen der „erwachsenen“ Gäste meiner Eltern gespannt zugehört. Worüber sprechen sie? Was bewegt sie? Was gibt es neues? Im Fernsehen habe ich als Jugendlicher „Talkshows“ gesehen. Unvergesslich „Heut´ Abend“ mit Joachim Fuchsberger oder „Boulevard Bio“ mit Alfred Biolek. Auch heute noch bin ich begeistert, wenn in Talkshows gerade unbekanntere Menschen über ihr Leben sprechen. Ich lese gerne kluge Interviews und Bücher, die Gespräche wiedergeben. In guten Gesprächen entsteht etwas. Aus guten Gesprächen nehmen wir etwas mit und das motiviert und begeistert mich.

Was haben Kunden im Nachgang eines Gespräch über gravierende Veränderungen – ob beruflich oder privat – konkret berichtet?

Auffällig oft haben Kunden mir berichtet, dass sie im Zuge der Gespräche den Mut gefunden haben, Entscheidungen zu treffen. Eine Unternehmerin drückte es so aus: „In diesem Jahr mit Ihnen bin ich gewachsen.“ Sie gehört zu dem großen Kreis derer, die wichtige unternehmerische Entscheidungen über viele Jahre hinweg vermieden und nun endlich angepackt haben. Ein anderer Kunde hat mir erklärt, er persönlich arbeite mittlerweile nur noch die Hälfte, sein Unternehmen mache aber doppelt so viel Gewinn – einfach weil wir seine Prioritäten neu gesetzt haben, er sich auf das konzentriert, was ihm wirklich wichtig ist und er gelernt hat, zu delegieren.

Dies scheint mir ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg zu sein. In diesem Zusammenhang spreche ich nicht so gern von Änderungen bzw. Veränderungen, sondern lieber von Entwicklungen. Dies beinhaltet die Vorstellung, dass eine Verbesserung der Situation nicht eine völlige Abkehr von allem Bisherigen erfordert, sondern auf dem bereits Erreichten aufbaut. Die Gespräche mit meinen Kunden bestätigen mich immer wieder in der Einsicht, dass es nicht rigorose Umwälzungen sein müssen, die uns erfolgreicher machen, sondern viele kleine, kluge Entscheidungen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ihr Gespräch mit Stefan Hagen – das Interview – Teil 2: Ihr Bedarf

Ihr Gespräch mit Stefan Hagen – das Interview – Teil 2: Ihr Bedarf

Gespräche mit meinen Kunden zu führen, ist ein immer wichtigerer Bestandteil meiner Leistungen – wenn nicht sogar der wichtigste! Was dies genau für meine Gesprächspartner bedeutet, wie es funktioniert und warum es funktioniert – das möchte ich Ihnen in dieser dreiteiligen Blogreihe erklären.

Und was liegt näher, als dieses Thema im Rahmen eines Gesprächs anzugehen? Deshalb habe ich mit dem PR-Journalisten Frank Beushausen ein Interview geführt, das Ihnen die Facetten des Gesprächs näher bringen soll. Im ersten Teil sprachen wir darüber, was ein solches Gespräch ist und welchen Mehrwert es bietet. Im zweiten Teil widmeten wir uns der Frage, aus welchen Anlässen und Bedürfnissen heraus meine Kunden mit mir sprechen.

Lesen Sie hier den 2. Teil des Interviews:

Herr Hagen, geht es bei Ihren Gesprächen eigentlich immer nur um die Unternehmen Ihrer Gesprächspartner oder auch um private Dinge?

Vordergründig sind es in der Regel unternehmensbezogene Anlässe. Wie kann ich mein Geschäft ausbauen, die Prozesse optimieren, die Motivation stärken? Solche Fragen sind als Ausgangspunkt unserer Gespräche recht typisch.

Aber in vielen Fällen zeigt sich sehr schnell, dass es noch ganz andere Themen gibt, die diesen Menschen bewegen – z.B. sehr häufig die familiäre Situation. Es ist immer wieder so, dass private Anliegen die berufliche Situation bestimmen oder überlagern. Dann widmen wir uns konzentriert genau dieser Situation. Wenn mein Ansprechpartner in einer tiefgreifenden Schaffens- oder Lebenskrise steckt oder schwer erkrankt ist, müssen wir uns nicht über Leasingmodelle für den Firmenfuhrpark unterhalten. Dann steht der Mensch im Mittelpunkt, und es geht nur darum, diese Krise zu bewältigen.

Kommt es häufig vor, dass Unternehmer sich Ihnen mit ihren privaten Problemen und Gedanken öffnen?

Ja, das ist inzwischen völlig normal. Wenn jemand sich ausschließlich über seinen Job und die anstehenden Entscheidungen unterhalten möchte, ist das völlig ok. Aber die Erfahrung zeigt, dass meine Kunden sehr gern die Gelegenheit wahrnehmen, sich vom rein Oberflächlichen zu lösen und sich einer Person zu öffnen, die Offenheit, Verständnis und den Willen mitbringt, nachhaltige Lösungen zu finden.

Warum sind gerade Sie als Unternehmerberater hier der richtige Ansprechpartner?

„Ein Gespräch mit Stefan Hagen zu führen“, bedeutet, dass ich mich ganz auf meinen Gesprächspartner konzentriere und einlasse. Das ist für mich nicht nur Teil meines Berufs, sondern meine Berufung. Dazu gehören Leidenschaft, Sachkenntnis und viel Erfahrung. Und ebenso mein außergewöhnliches Gespür für Menschen. Darum ist das Gespräch immer ergebnisoffen, und der Inhalt darf gern thematisch springen – „von Hölzchen zu Stöckchen“, wie man so schön sagt. Entscheidend ist, was meinen Kunden gerade am meisten bewegt. Wobei ich, wie bereits gesagt, das anfänglich vereinbarte Ziel der Zusammenarbeit, nie aus den Augen verliere und immer wieder darauf zurückkomme.

Wenn Sie also auch über private und zum Teil sehr persönliche Anliegen sprechen – wo ist da die Grenze?

Auf der unternehmensbezogenen, fachlichen Seite gibt es natürlich Grenzen überall dort, wo Spezialwissen erforderlich ist. Wird beispielsweise ein Unternehmensberater mit langjähriger Erfahrung in der Unternehmensnachfolge, bei der Unternehmenssanierung oder in Insolvenzangelegenheiten benötigt, gebe ich gern entsprechende Empfehlungen. Erst recht gilt dies bei den privaten und persönlichen Themen, wenn ich feststelle, dass professionelle Unterstützung z.B. durch einen Mediziner oder Psychologen etc. gefordert ist.

Ich behaupte nicht, für alle Fragen die ultimative Lösung zu kennen, aber ich weiß, wie ich dem Kunden dabei helfen kann, selbst Lösungen zu finden und wen er gegebenenfalls ansprechen kann, damit mein Kunde kompetente Unterstützung bekommt.

Fortsetzung folgt... Der 3. Teil des Interviews beschäftigt sich mit der Nachhaltigkeit unserer Gespräche – eine Erfolgsbilanz.

 

Ihr Gespräch mit Stefan Hagen – das Interview – Teil 1: Ihr Mehrwert

Ihr Gespräch mit Stefan Hagen – das Interview – Teil 1: Ihr Mehrwert

Gespräche mit meinen Kunden zu führen, ist ein immer wichtigerer Bestandteil meiner Leistungen – wenn nicht sogar der wichtigste! Was dies genau für meine Gesprächspartner bedeutet, wie es funktioniert und warum es funktioniert – das möchte ich Ihnen in dieser dreiteiligen Blogreihe erklären.

Und was liegt näher, als dieses Thema im Rahmen eines Gesprächs anzugehen? Deshalb habe ich mit dem PR-Journalisten Frank Beushausen ein Interview geführt, das Ihnen die Facetten des Gesprächs näher bringen soll. Seien Sie gespannt!

Lesen Sie jetzt den 1. Teil des Interviews:

 

Herr Hagen, wie hängen Coaching, Beratung und Ihre Gespräche zusammen – und was unterscheidet sie voneinander?

Stark verkürzt gesagt bedeutet Coaching eine Hilfe zur Selbsthilfe um z.B. selbst Lösungen zu finden, während die Beratung einen Lösungsweg aufzeigt. In meinen Gesprächen kommen sicherlich beide Aspekte zum Tragen – allerdings deutlich erweitert um die von mir so genannte „subjektive Neutralität“. Darunter verstehe ich, dass ich im Gegensatz zu dem Coach, ein Stück weit meine Neutralität aufgebe und Partei für meinen Kunden ergreife. Das heißt aber nicht, dass ich alles gut finden muss, was er macht oder vorhat. Denn ich überprüfe selbstverständlich seine Ideen hinsichtlich der Realisierbarkeit und gebe, wenn es angebracht ist, mein ehrliches Feedback. Auch wenn die Entscheidung dann letztlich bei ihm bleibt. Diese subjektive Neutralität ist oft eine Gradwanderung und bedingt, den Menschen in seiner beruflichen Funktion, aber eben auch einfach als Menschen mit seinen ganz persönlichen Wünschen, Hoffnungen, Ängsten oder Zielen etc. zu betrachten.

So können wir in einem Moment über die Neuausrichtung des Unternehmens sprechen; im nächsten Augenblick geht es um familiäre Themen, die meinen Kunden gerade sehr aufgewühlt haben, oder um den nächsten Urlaub.

Das Gespräch ist also sehr offen, ehrlich und persönlich, und ich nutze dabei nur dann Coachingmethoden und Tools, wenn es sich aus dem Gespräch ergibt. Der Kunde nimmt dies nur selten wahr, da für ihn das Gespräch im Vordergrund steht, nicht eine bestimmte Methode oder eine feste Gesprächsstruktur. Ich lasse mich vollständig auf meinen Gesprächspartner ein und klammere mich dabei nicht an Methoden fest – seien sie aus dem Coaching oder der Beratung.

Bedeutet dies, dass Sie das Gespräch mit Ihrem Kunden ohne klares Ziel und ohne feste Struktur führen – ganz nach dem Motto: „Lassen Sie uns einfach miteinander reden“?

In der Struktur bleibt das Gespräch flexibel, aber das eigentliche Ziel darf nie ganz aus dem Blickfeld geraten. Haben wir beispielsweise anfangs vereinbart, einen Weg zu entwickeln, mit dem das Unternehmen meines Kunden mehr Umsatz macht, werde ich im Laufe der Gespräche sicher immer wieder nachhaken, welche konkreten Maßnahmen seit dem letzten Austausch ergriffen wurden und wie diese wirken.

Außerdem möchte ich an dieser Stelle deutlich zwischen Reden und Sprechen unterscheiden: Wenn zwei Menschen reden, heißt das noch lange nicht, dass sie miteinander sprechen. Denn Reden hat oft etwas Aggressives, Einseitiges oder Rechtfertigendes an sich.

Der Benediktinerpater Anselm Grün weist immer wieder darauf hin, dass „Reden“ vom mittelhochdeutschen Wort „rede = Rechenschaft“ kommt und mit „rechnen, abzählen“ zusammenhängt. „Sprechen“ hingegen kommt seiner ursprünglichen Bedeutung entsprechend aus dem Herzen. Hiermit eng verwandt ist das Zusprechen: Durch Zusprechen richte ich den Anderen auf. Nur wenn wir offen miteinander sprechen, entsteht ein Gespräch. Und so möchte ich eine Verbundenheit mit meinem Gesprächspartner herstellen. Mit meiner Erfahrung aus unterschiedlichsten Branchen soll er neue Perspektiven kennenlernen, um sich seinem Ziel entsprechend weiterzuentwickeln.

Ersetzt das Gespräch dann ein Coaching bei Ihnen?

Das Gespräch ist kein Ersatz, sondern ein ganz eigenständiger Ansatz, der das Coaching  ergänzen kann. Während ich als Coach absolut neutral sein sollte, bin ich bei meinen Gesprächen durchaus auch subjektiv! Das bedeutet, dass ich auch meine Meinung äußere – ob sie nun mit der Auffassung meines Gesprächspartners übereinstimmt oder nicht.

Ein weiterer Punkt ist, dass das Coaching ein Prozess ist, mit einem klaren Anfang und einem eindeutigen Ende, während dies bei den Gesprächen nicht festgelegt ist. Der Verlauf und die Dauer – nicht nur im einzelnen Gespräch, sondern über den längeren Zeitraum hinweg – richten sich ganz nach dem Kunden.

Wie muss man sich dies in der Praxis vorstellen?

Es gibt sogenannte Einzelgespräche. Also Kunden, die sich bei einem akuten Gesprächsbedarf melden – meistens telefonisch – nach dem Motto: „Kann ich Sie mal kurz sprechen?“ Das kann dann von 30 Minuten bis zwei Stunden meist telefonisch, bis vier Stunden dauern oder einen Tag in Anspruch nehmen, wenn es erforderlich ist. Letzteres natürlich dann persönlich.

Der häufigere Fall sind jedoch regelmäßige Gespräche – sei es in sehr kurzen Intervallen, monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder jährlich. Die Kunden, mit denen ich hierüber eine Vereinbarung getroffen habe, bekommen immer innerhalb von 24 Stunden eine persönliche Rückmeldung – selbstverständlich außerhalb des Urlaubs und der Wochenenden. Der Kontakt erfolgt je nachdem, wie wir dies im Einzelfall festgelegt haben: per Telefon, Skype, E-Mail oder Facebook etc. – also möglichst direkt und zeitnah. Häufigkeit und Intensität unserer Gespräche ändern sich oftmals im Verlaufe unserer Zusammenarbeit, und dann passen wir die Vereinbarung natürlich bedarfsgerecht an.

Wer sind Ihre typischen Ansprechpartner?

Meine Kunden sind hauptsächlich Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter, Selbstständige und Freiberufler. Es verwundert also nicht, dass das Fällen von Entscheidungen und die Unternehmensentwicklung häufige Themen sind, wie auch der Umgang mit Mitarbeitern, die strategische Neuausrichtung des Unternehmens und vieles mehr. Und wie gesagt sind es immer wieder auch private und persönliche Anliegen, die meinen Kunden auf der Seele liegen.

Die sprichwörtliche „Einsamkeit an der Spitze“ betrifft nämlich längst nicht nur Vorstandsvorsitzende von großen Konzernen, sondern auch Führungskräfte von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Hier bin ich der Sparringspartner, der einerseits genug Abstand hat, um unbefangen eine eigene Einschätzung zu erlangen, andererseits aber auch über viel Empathie, Verständnis und Know-how verfügt. So kann ich die echten oder vermeintlichen Zwänge nachvollziehen und aus meinen reichhaltigen Erfahrungen wertvolle Hinweise geben.

Fortsetzung folgt... In Teil 2 des Interviews geht weiter mit den Gesprächsinhalten und dem individuellen Bedarf.

Stefan Hagen bloggt  ...all das, was er schon immer loswerden wollte.

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