...all das, was er schon immer loswerden wollte.

Was hat ein Mind-Set mit einem Fliesenleger zu tun?

Was hat ein Mind-Set mit einem Fliesenleger zu tun?

Im ersten Moment nichts. Und doch sehr viel.

Zumindest mit einem Unternehmergespräch, das ich diese Woche führte und in dem mir ein Unternehmer sagte, dass sein Mind-Set an einem wichtigen Termin nicht gepasst hat. „Mind-Set. Oh, ein neues Wort in seinem Sprachbrauch.“, dachte ich. Denn es entsprach so gar nicht seiner üblichen, klaren und sehr pragmatischen Ausdrucksweise. Erst später fragte ich mich, woher dieses Wort in seiner Wortwahl plötzlich stammt. Was sollte das? „Ich war einfach nicht gut drauf!“, wäre seine übliche Ausdrucksweise gewesen. Aber „Mind-Set“? Nein, das war nicht mein Unternehmer.

Der Zusammenhang wurde mir schnell klar. Durch neue Entwicklungen ist er in der letzten Zeit mit meinen Kollegen, vor allem mit Coaches, Beratern und sog. Erfolgsexperten, die unser Mind-Set sofort auf Erfolg umprogrammieren wollen, in Kontakt gekommen. Das ist gut, denn das hat ihn in seiner Entwicklung sehr gefördert. Nur stelle ich plötzlich Sprachmuster bei ihm fest, die nicht zu ihm passen: „Berater-Speak“ oder besser „Berater-Bullshit-Bingo“.

Und was hat das jetzt mit einem Fliesenleger zu tun?

Vor vielen Jahren war ich Geschäftsführer einer Bauträgergesellschaft. Bei den Baumaßnahmen beauftragte ich gerne einen bestimmten Fliesenleger, obwohl er etwas teurer als seine Kollegen war. Denn er war nicht nur Fliesenleger, ein sehr guter übrigens, sondern auch Bauleiter. Wenn er auf der Baustelle war, schaute er nicht nur auf sein Gewerk, sondern auch auf die der anderen. Und wenn er Murks auf der Baustelle sah, sprach er seine Kollegen an und fragte sie: „Sag mal, würdest Du das für Dich zu Hause auch so machen?“ Meist kam die Antwort: „Nein.“ „Warum machst Du es denn hier?“. Und schon wurde der Baumangel ohne großes Theater behoben.

An ihn erinnerte ich mich heute. Und ich stellte mir die Frage, ob mein Unternehmer und vor allem die Menschen, die ihm dieses Berater-Speak beibringen, dieses Bullshit-Bingo auch zu Hause verwenden. So nach dem Motto: „Na Schatz, wie war Dein Tag?“ „Ach, heute hat mein Mind-Set nicht gepasst“.

Sagen die das wirklich? Meine Frau würde mich jagen. Mit Recht. Aber wenn sie sich nicht zu Hause so ausdrücken, warum machen sie in ihrem Beruf? Weil Sie eloquent erscheinen wollen? Weil Sie Wissen demonstrieren wollen? Weil es zeigen wollen, dass Sie dazu gehören?

Wenn die das brauchen, gerne. Ich halte es wie mein Fliesenleger. Ich rede mit meinem Kunden, so wie ich es auch zu Hause mache. Meine Familie, meine Freunde und auch meine Kunden kennen mein Wissen und ich weiß, zu wem ich gehöre.

Lassen Sie uns so miteinander sprechen und arbeiten, wie wir es auch zu Hause machen.

So, jetzt geht es mir wieder gut bzw. mein Mind-Set passt wieder.

 

 

Der nächsten Level - Das Leben ist doch kein Computerspiel!

Der nächsten Level - Das Leben ist doch kein Computerspiel!

Vor kurzem saß ich mit meiner Familie und Freunden in einem Restaurant. Unweigerlich kam der Moment, in dem sich die Kids unsere Handys schnappten und zu spielen begannen. So auch meine Tochter, die dann schnell ganz stolz verkündete, dass Sie den nächsten Level geschafft habe.

In dem Moment wurde mir etwas klar. Seit geraumer Zeit ärgert mich die Aufforderung einiger Kollegen in ihren Kampagnen, unser Leben oder unser Unternehmen auf den „nächsten Level“ zu heben. Das war es.

Den Begriff „Level“ verbinde ich unweigerlich mit Computerspielen. Auch wenn ich nie ein begeisterter Spieler war und bin, so verstehe ich darunter, das Erreichen einer nächsten Spielstufe bzw. Schwierigkeiststufe. Um das zu schaffen, müssen wir Aufgaben erfüllen und Herausforderungen bestehen. Soweit so gut. Das passt auch zu einem (Unternehmer-) Leben.

Aber ist unser Leben ein Computerspiel? Meines nicht. Dafür ist es mir zu wertvoll. Das Leben hat keine Esc-Taste. Und wenn etwas schiefgeht, dann kann ich nicht einfach wieder vor vorne anfangen. Und genau das stört mich an diesem Vergleich. Der „nächste Level“ verharmlost die Bedeutung unseres (Unternehmer-) Lebens.

Es mag sein, dass ein spielerischer Umgang mit unserem Leben und unserem Unternehmen manchmal angebracht ist und wir nicht alles so ernst nehmen sollten. Dennoch ist das Leben zu wichtig, um es nicht ernst zu nehmen.

Lassen Sie uns unser Leben, unser Unternehmen nicht auf den „nächsten Level“ heben, sondern lassen Sie es uns ernst nehmen und uns für das, was uns wichtig ist, engagieren. Wir müssen Aufgaben bestehen, Herausforderungen bewältigen, aber wir sollten eines nie vergessen: Wir sind Menschen. Wir gehen täglich mit Menschen um. Alles was wir erreichen, schaffen wir mit und durch Menschen. Nicht durch Tastenkombinationen.

Unser Leben ist kein Computerspiel.

Und wenn schon Level, dann wenigstens LEVEL 42

 

Stefan Hagen bloggt  ...all das, was er schon immer loswerden wollte.

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