...all das, was er schon immer loswerden wollte.

Sind Sie ein Fischer oder Unternehmer?

Ein Fischer sitzt am Meer und genießt die Sonne. Da kommt ein Unternehmensberater und fragt ihn: "Was machen Sie? Warum sind Sie nicht auf dem Meer, um Fische zu fangen?“ Der Fischer sagte: "Das habe ich heute schon. Jetzt habe ich meinen Fang verkauft und genieße die freie Zeit." "Ja, aber wenn Sie noch mehr Fische fangen würden, würden Sie mehr verkaufen." "Und wofür?" "Dann könnten Sie sich ein zweites Boot kaufen und jemanden einstellen, der dann mit Ihnen auf Fang geht." "Und wofür?“ "Ist doch klar. Dann könnten Sie noch ein Boot kaufen, jemanden einstellen und noch mehr fangen und verkaufen." "Ja, könnte ich, aber wofür?", fragte der Fischer wieder. Der Unternehmensberater ärgerte sich über das Unverständnis des Fischers. "Sie sind einfach kein Unternehmer! Wenn Sie mehrere Mitarbeiter haben, haben Sie mehr Umsatz und könnten sich auch ab und zu die Zeit nehmen, um z.B. den Erfolg zu genießen." Da lachte der Fischer und sagte: "Genau das mache ich gerade. Aber bestimmt haben Sie recht. Ich bin kein Unternehmer, ich bin ein Fischer."

Diese Geschichte erzählte mir einmal ein älterer Unternehmensberater. Jetzt erzählte ich sie einem Unternehmer. Dieser war als Einzelunternehmer sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass es immer mehr Aufträge gab, die er alleine gar nicht mehr abarbeiten konnte. Der Druck wurde immer größer und er meinte, den Druck nur durch Mitarbeiter lösen zu können. Innerhalb von zwei Jahren waren es mittlerweile sieben Mitarbeiter mit entsprechenden Räumlichkeiten und Infrastruktur geworden.

"Und ist der Druck dadurch geringer geworden?", fragte ich ihn. "Nein, er ist größer geworden, denn jetzt muss ich die Aufträge haben, um die sieben Mitarbeiter bezahlen zu können. Und Mitarbeiter zu führen ist vielleicht nicht mein Ding. Das wollte ich nie. Klar, ich verdiene jetzt viel. Aber ist mehr als in der Zeit als Einzelunternehmer? Nicht wirklich."  

Und jetzt? Jetzt habe ich den Unternehmer gefragt, ob er sich nicht einmal ans Meer setzen will, um darüber nachzudenken, ob er ein Fischer oder ein Unternehmer ist. Ergebnis offen. Aber 30 Minuten später war ein Kurzurlaub an der Nordsee gebucht.

Fischer oder Unternehmer? Persönlich bin ich ja der Meinung, dass auch ein Fischer ein Unternehmer ist. Beides hat seine Berechtigung. Nicht jeder braucht ein Unternehmen mit Mitarbeitern, um zufrieden und erfolgreich zu sein. Ein Unternehmen mit Mitarbeitern sollten wir allerdings nur aufbauen, wenn wir auch Mitarbeiter wollen. Mit allen Konsequenzen.   

Und Sie? Sind Sie Fischer oder Unternehmer? Oder beides?

 

Was hat ein Mind-Set mit einem Fliesenleger zu tun?

Was hat ein Mind-Set mit einem Fliesenleger zu tun?

Im ersten Moment nichts. Und doch sehr viel.

Zumindest mit einem Unternehmergespräch, das ich diese Woche führte und in dem mir ein Unternehmer sagte, dass sein Mind-Set an einem wichtigen Termin nicht gepasst hat. „Mind-Set. Oh, ein neues Wort in seinem Sprachbrauch.“, dachte ich. Denn es entsprach so gar nicht seiner üblichen, klaren und sehr pragmatischen Ausdrucksweise. Erst später fragte ich mich, woher dieses Wort in seiner Wortwahl plötzlich stammt. Was sollte das? „Ich war einfach nicht gut drauf!“, wäre seine übliche Ausdrucksweise gewesen. Aber „Mind-Set“? Nein, das war nicht mein Unternehmer.

Der Zusammenhang wurde mir schnell klar. Durch neue Entwicklungen ist er in der letzten Zeit mit meinen Kollegen, vor allem mit Coaches, Beratern und sog. Erfolgsexperten, die unser Mind-Set sofort auf Erfolg umprogrammieren wollen, in Kontakt gekommen. Das ist gut, denn das hat ihn in seiner Entwicklung sehr gefördert. Nur stelle ich plötzlich Sprachmuster bei ihm fest, die nicht zu ihm passen: „Berater-Speak“ oder besser „Berater-Bullshit-Bingo“.

Und was hat das jetzt mit einem Fliesenleger zu tun?

Vor vielen Jahren war ich Geschäftsführer einer Bauträgergesellschaft. Bei den Baumaßnahmen beauftragte ich gerne einen bestimmten Fliesenleger, obwohl er etwas teurer als seine Kollegen war. Denn er war nicht nur Fliesenleger, ein sehr guter übrigens, sondern auch Bauleiter. Wenn er auf der Baustelle war, schaute er nicht nur auf sein Gewerk, sondern auch auf die der anderen. Und wenn er Murks auf der Baustelle sah, sprach er seine Kollegen an und fragte sie: „Sag mal, würdest Du das für Dich zu Hause auch so machen?“ Meist kam die Antwort: „Nein.“ „Warum machst Du es denn hier?“. Und schon wurde der Baumangel ohne großes Theater behoben.

An ihn erinnerte ich mich heute. Und ich stellte mir die Frage, ob mein Unternehmer und vor allem die Menschen, die ihm dieses Berater-Speak beibringen, dieses Bullshit-Bingo auch zu Hause verwenden. So nach dem Motto: „Na Schatz, wie war Dein Tag?“ „Ach, heute hat mein Mind-Set nicht gepasst“.

Sagen die das wirklich? Meine Frau würde mich jagen. Mit Recht. Aber wenn sie sich nicht zu Hause so ausdrücken, warum machen sie in ihrem Beruf? Weil Sie eloquent erscheinen wollen? Weil Sie Wissen demonstrieren wollen? Weil es zeigen wollen, dass Sie dazu gehören?

Wenn die das brauchen, gerne. Ich halte es wie mein Fliesenleger. Ich rede mit meinem Kunden, so wie ich es auch zu Hause mache. Meine Familie, meine Freunde und auch meine Kunden kennen mein Wissen und ich weiß, zu wem ich gehöre.

Lassen Sie uns so miteinander sprechen und arbeiten, wie wir es auch zu Hause machen.

So, jetzt geht es mir wieder gut bzw. mein Mind-Set passt wieder.

 

 

Stefan Hagen bloggt  ...all das, was er schon immer loswerden wollte.

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